In der Terra Australis, der Australien-Welt in der Wilhelma in
Stuttgart, ist wieder einmal eine aufsehenerregende Nachzucht gelungen.
Bereits Ende Oktober 2024 hat eines der Quoll-Weibchen im
Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgart nach einer Tragzeit von nur 34 Tagen
möglicherweise bis zu 30 Jungtiere zur Welt gebracht. Sie waren nackt, blind und
gerade einmal so groß wie Reiskörner. Mit der Geburt begann ein erster
Überlebenskampf.
So hat es die Natur bei Tüpfelbeutelmardern vorgesehen: Das Weibchen verfügt im
Beutel über nur sechs Zitzen, an der sich jeweils ein Jungtier festsaugen kann.
Die meisten von ihnen sterben daher schon in den ersten Lebensstunden. Ein
skurriler Anblick bot sich den zuständigen Tierpflegerinnen und Tierpflegern,
als die Sprösslinge der Quolls mehrere Wochen alt waren. Dann waren sie nämlich
schon längst viel zu groß für den Beutel der Mutter, wurden aber dennoch ständig
umhergetragen.
Dafür mussten sie sich mit dem
Kopf im Beutel an den mütterlichen Zitzen festsaugen – während der Rest des
Körpers unter dem Leib der Mutter hin und her baumelte. Zunächst befanden sich
Mutter und Jungtiere hinter den Kulissen. Seit der zweiten Februarwoche kann man
sie mit Geduld und guten Augen im Nachttierbereich der Terra Australis
beobachten.
Volker Grün, stellvertretender
Direktor der Wilhelma und zugleich Kurator in der Terra Australis, ist
begeistert: „Die Nachzucht von Quolls ist sehr anspruchsvoll. Darum ist unser
Zuchterfolg so wertvoll für das europäische Zuchtprogramm. Die Tiere haben von
Natur aus eine sehr niedrige Lebenserwartung. Auch im Zoo werden sie selten
älter als sechs Jahre. Hinzu kommt, dass Weibchen, die nicht schon in den ersten
Lebensjahren Nachwuchs bekommen, erfahrungsgemäß auch später nicht mehr trächtig
werden. Bei uns hat alles auf Anhieb geklappt – der beste Beweis, dass wir ihnen
optimale Bedingungen bieten.“
In Zoos sind Quolls
eine Rarität: Außer in der Wilhelma werden sie deutschlandweit nur in drei
weiteren zoologischen Gärten gehalten. Da die heimlichen Jäger ausschließlich im
Schutze der Nacht auf Beutefang gehen, sind sie in der Wilhelma im
Nachttierbereich der im Sommer 2023 eröffneten Terra Australis zu sehen. Dort
steht die Welt Kopf: nachts ist es hell, am Tage dafür dunkel. Für die
Besucherinnen und Besucher bedeutet das, dass sie sich ausreichend Zeit nehmen
sollten, bis sich ihre Augen an das Dämmerlicht in diesem Bereich gewöhnt haben.
Dann aber gibt es viel zu sehen: Von Fuchskusus über Kurzkopfgleitbeutler und
Rote Rattenkängurus bis zu den Quolls.
Die etwas
mehr als mardergroßen Raubbeutler waren ursprünglich im Südosten Australiens und
auf Tasmanien weit verbreitet. Heute gilt die Art in ihren letzten Lebensräumen
auf Tasmanien und einigen kleineren Inseln als stark gefährdet. Auf dem
australischen Festland wurden die sie bereits vor vielen Jahrzehnten aufgrund
von Krankheiten und eingeführter Raubtiere wie Hauskatzen und Füchsen sowie
Verfolgung durch den Menschen ausgerottet. Punktuell wurde die Art in
eingezäunten und fuchs- und katzensicheren sicheren Reservaten wieder
angesiedelt.
Das Foto zeigt Die Quoll-Mutter
kurz vor Weihnachten 2024 mit den Jungtieren, damals im Alter von acht Wochen:
An den Zitzen festgesaugt wurden sie rund um die Uhr umhergetragen.
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